Hier ein kurzer Einblick in eine Familie im Dschungel, die ich seit 16 Jahren kenne. Sie haben mir ein Palmendach über den Kopf und unglaublich wertvolle Einblicke in ihre Kultur und Lebensweise gewährt. Der Kontakt entstand durch die Zusammenarbeit mit ECOSUR Campeche, eine Universität, die sozial- und naturwissenschaftlichen Forschungen in der Region von Calakmul durchführt. Bei meinem ersten Forschungsaufenthalt Im Jahr 2008 nahm mich diese Großfamilie vorbehaltslos wie ein Familienmitglied auf. Seitdem pflegen wir eine Freundschaft.

Auf einer Parzelle leben drei Generationen in zwei Häusern zusammen, das heißt die Großeltern sowie deren zwei Söhne mit ihren Familien. Die Großeltern Doña Manuela und Don Felipe (sh. Bild) sind Maya Ch’oles aus Chiapas und kamen Ende der 70er Jahre nach El Carmen II. Hier haben sie ihre Familie mit neun Kindern aufgezogen. Beide sprechen nur wenig Spanisch, was aber trotzdem erfolgreiche Kommunikation erlaubt und meine paar Worte Ch’ol immer wieder auffrischt.
Die Familien sind kinderreich, Mädchen werden häufig ab ihrer Geschlechtsreife Mütter und haben wenig Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben. Die kulturelle Prägung und patriarchale Strukturen geben Mädchen weniger Privilegien wie Buben. Während meines Aufenthaltes im Dorf habe ich viel Zeit mit dieser Kinderschar verbracht, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.


Über die Jahre hat sich speziell mit dieser jungen Familie – Daniel und Janet mit ihren fünf Töchtern – eine freundschaftliche und anhaltende Verbindung herauskristallisiert. Die Mutter Janet kam jung in die Familie und gebar mit knapp 20 Jahren ihre fünfte Tochter. Der Vater Daniel ist Landwirt und Friseur und versucht mit diversen Nebenjobs für den Lebensunterhalt seiner Familie zu sorgen. Viele Gespräche speziell mit den Eltern überzeugten mich, dass sie für ihre Mädchen eine andere Zukunft wünschen, als es in Calakmul für Frauen üblich ist. Sie sollen zu selbstbewussten, autonomen Frauen erzogen werden, die vor der Familiengründung eine solide Ausbildung in der Tasche haben. Bravo!
chicas poderosas


Schwestern
Mexiko hat eine der höchsten Femizidraten weltweit. Indigene Frauen und Migrantinnen gehören zu einer besonders gefährdeten Personengruppe, die geschlechtsspezifische und zudem oft rassistische Gewalt erlebt. Die Ursachen dieser strukturellen Gewalt sind vielfältig und hoffentlich gehören Straflosigkeit, Machismo und fehlender politischer Wille irgendwann der Vergangenheit an. Die Impulse, die ich mir anmaße im Leben dieser Mädchen zu setzen, sind ein kleiner Beitrag mit der Intention, ihnen zu einem selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.

Damaris, die älteste der Schwestern, lernte ich kennen, als sie vier Jahre alt war. Auffällig klug und neugierig ist sie die erste Frau in ihrer Großfamilie mit Oberstufenabschluss – und nun bald mit Uniabschluss! Ihre Schwester Salomé machte es ihr nach und folgte ihr vor kurzem in die Stadt, wo sie sich ein Zimmer teilen. Sie studiert ebenfalls auf der Universidad Technológica de Xpujil. Der Werdegang dieser Maya-Ch’ol Mädls wirkt auf mich wie eine Revolution in Anbetracht ihrer Umstände, die für MitteleuropäerInnen nur schwer vorstellbar sind.
Und sie haben noch viel vor …
Unterstützung
Es ist ein Geschenk, dass die Mädchen begeistert in die Schule gehen und von Ihren Eltern gefördert werden, was in dem kulturellen Kontext keine Selbstverständlichkeit ist. Seit Jahren unterstütze ich die Famlie im Rahmen meiner Möglichkeiten und war auch nach meiner Rückkehr von Mexiko mehrfach persönlich auf Besuch. Mitgebracht habe ich beispielsweise Kofferräume voll mit Lebensmittel und notwendigen Alltagsgegenständen, oder eben finanzielle Unterstützung. Speziell bei Geldgeschenken ist es mir immer wichtig hervorzuheben, dass die Bildung der Mädchen ermöglicht und gefördert wird.


Bisher habe ich vorrangig versucht konkrete Projekte zu finanzieren. Beispielsweise mit dem Kauf von Laptops und anderen Schulmaterialien, oder einer Vitrine für den Brotverkauf. Im Jahr 2019 kam bei einer Spendenaktion im Freundes- und Bekanntenkreis eine stolze Summe von fast € 3000 zusammen, die ich persönlich überbrachte. Einen Teil davon verwendete ich, um der Familie einen Ausflug zu den bekannten Ausgrabungsstätten Calakmul sowie einen Kurzurlaub in der nahegelegenen Karibik zu ermöglichen. Für die Mädchen und Eltern war dies der erste Freizeitausflug. Bei unserem letzten Besuch 2023 sponserte Stefan ein Motorrad für die Familie und eine befreundete schweizer Band unterstützte mit einer großzügigen Spende (https://mixitmusic.ch/). Wenn ich persönlich vor Ort sein kann, übergebe ich die finanzielle Unterstützung direkt, ansonsten überweise ich das Geld auf das Konto von Damaris.

Bei unserem letzten Besuch wurde dieses Motorrad finanziert und auch gemeinsam in Chetumal gekauft. Die Freude war groß! Dies ist der erste fahrbare Untersatz für die Familie und Daniel kann damit nicht nur effizienter Arbeiten, sondern auch die Mädchen von A nach B bringen, wenn die Öffis mal wieder ausfallen.
Du willst mehr wissen?
Ich plane diese Website (Aktuelles) regelmäßig mit Infos zu bespielen und einmal im Jahr ein Update sowie einen Spendenaufruf via Mail zu versenden. Wenn auch du unterstützen, oder über diverse Pläne und Entwicklungen informiert werden möchtest, dann nehme ich dich gerne in den Verteiler auf. Schreibe mir ein Mail mit dem Betreff „Calakmul“ an: wirsehenunswald@gmx.at
Hier noch ein paar weitere Eindrücke von der Familie über die Jahre:








La que se baña con los lagartos …
Beim letzten Besuch 2023 haben uns die chicas eine Tour durch das Dorf und zum Fluss gegeben, wo sich Amelie und ich sogleich in die Fluten warfen. Dass dort ab und zu ein Kroko vorbeischwimmt, ist eine andere Geschichte …
